Untote leben länger
Ich habe mich ja zu dem Neuentwurf zum Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung bislang hier noch nicht geäußert. Nicht weil ich plötzlich dafür wäre, sondern weil mir beim besten Willen nichts mehr einfällt, was ich dazu noch schreiben könnte.
Alle Argumente sind bereits gesagt, die Mythen längst wieder und wieder widerlegt.
Nachdem, dank Netzpolitik.org, der aktuelle Referentenentwurf für ein neues Gesetz geleakt (pdf) ist, bin auch ich der Aufforderung nachgekommen, eine Mail an meinen Bundestagsabgeordneten zu schicken. Ich möchte mich der Aufforderung von Vera Bunse anschließen: Macht das auch! Nur wenn die Abgeordneten wissen, dass ihre Wähler die VDS nicht wollen, werden sie dagegen stimmen!
Wahlhilfe mal praktisch
Nachdem ich ja gestern etwas gerantet habe, über das rumgehacke auf den Wahlhelfern, möchte ich heute mal etwas pragmatischer werden, und ein paar Tipps geben, wie ihr als Wähler ganz konkret mithelfen könnt, die Auszählung zu beschleunigen.
Es gibt nämlich ein paar Dinge, die das Auszählen ungemein erleichtern.
- Macht eure Kreuze groß und deutlich. Es macht gar nichts, wenn sie ein bisschen über die Kreise hinausgehen. Kreuze, bei denen der Stift nur so gerade das Papier berührt, sind viel schwerer zu sehen. Und wenn man auf den allerersten Blick sieht, wo ihr euer Kreuz gemacht habt, geht das zählen natürlich viel leichter.
- Wenn ihr eure fünf Kreuze nicht alle bei einem Wahlvorschlag (Liste oder Kanditat) macht, dann macht sie immer so weit links in der jeweiligen Zeile wie möglich. Es kann sehr irritierend sein, wenn der erste und der letzte Kreis angekreuzt ist, und die dazwischen nicht.
- Wenn ihr aus Versehen ein falsches Kreuz gemacht habt, streicht das nicht durch, und wählt anders, sondern holt euch im Wahllokal beim Urnenvorstand einen neuen Stimmzettel. Über alle Stimmzettel in denen rumgestrichen wurde müssen wir einzeln abstimmen. (Den alten Zettel müsst ihr vor den Augen des Urnenvorstands im Wahllokal zerstören, dann bekommt ihr einen neuen).
- Schreibt nichts auf den Zettel drauf, wenn ihr gültig wählen wollt! Jede Kennzeichnung die den Zettel identifizierbar macht -und dazu gehört eure Handschrift- macht den Zettel ungültig!
- Wenn ihr einen Stimmzettel absichtilich ungültig machen wollt, gebt entweder einen Leeren ab, oder, noch besser, macht das deutlich kenntlich, indem ihr z.B. auf der ersten Seite alles durchstreicht. Dann können wir den nämlich gleich aussortieren, und zu den ungültigen tun.
- Auch wenn ihr ungültig wählen wollt, beschreibt nicht die leeren Seiten am Ende. Es ist doof, wenn man den ganzen Wahlzettel durchguckt, um dann am Schluß festzustellen, ätsch-bätsch war nix.
- Versucht zu vermeiden, die Seiten zu verknicken. Die lassen sich zwar leicht wieder glattstreichen, aber wenn man das bei 487.000 Zetteln machen muss, summieren sich die 1,5 Sekunden die das dauert zu einer erheblichen Zeit.
All das müsst ihr natürlich nicht beachten, eure Stimmen werden trotzdem gezählt. Aber wenn ihr beim Abgeben eurer Stimmen daran denkt, macht ihr den Wahlhelfern die Arbeit bedeutend leichter, und tragt so zu einem schnelleren Wahlergebnis bei.
Der Welt Lohn
Wie seit vielen Jahren jedes Mal, arbeite ich auch während der Bürgerschaftswahl als ehrenamtlicher Wahlhelfer.
Ich habe mir, da die Auszählung aufgrund es komplizierten Bremer Wahlrechts sehrt lange dauert, extra Urlaub genommen, und bin damit bei weitem nicht der Einzige.
Dass die Auszählung der Stimmen von den Bürgern selbst durchgeführt wird, ist meiner Meinung nach eine Kernfunktion in einer Demokratie. Das Ergebnis muss transparent ermittelt werden, und jeder Wahlberechtigte muss das kontrollieren können. Das ginge nicht, wenn es z.B. an eine Firma “outgesourced” würde.
Freihandfotografie
Ich experimentiere seit einiger Zeit damit herum, mein Teleskop auch zur Astrofotographie zu nutzen. Dazu steht ein längeres Projekt im Raum, bei dem ein Raspberry Pi samt Kamera zum Einsatz kommen soll, um Bilder zu machen.
Um zu gucken, wie das ganze aussieht, wenn man mit einer einfachen CCD-Kamera vor dem Objektiv ein Bild schießt, habe ich gestern mal die Kamera von meinem Handy vor das Teleskop gehalten.
Für die widrigen Bedingungen, ist das ganze ganz gut geworden. Das Seeing war eher mäßig, und die Aufnahme ist durch das Teleskop am offenen Fenster entstanden (jeden Hobbyastronomen wird es bei der Vorstellung gruseln, die Luftbewegung durch den Temperatur unterschied zwischen drinnen und draussen, machen scharfe Bilder fast unmöglich).
The Idiots Lantern
Can you hear me, are you listening, has your programme disappeared? I can see you, I am watching you, I’ve been planning this for years. I have blacked out you television, every station in the world is mine, And there are millions who are just like you as you sit there, paralysed! I have some orders which you will follow, and there’s nothing you can do, ‘Cos as you’re looking at your T.V. screen, I am looking back at you.
Logik der Gewalt
Nach den fürchterlichen Morden an den Redakteuren des französischen Satiremagazins Charlie Hebdo gestern ist viel gesagt und geschrieben worden. Leider auch viel Unsinn. So hat die CSU es gerade einen Tag lang ausgehalten pietätvoll die Klappe zu halten, bevor sie die Tragödie für ihre Forderung nach der Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung aus der Mottenkiste geholt hat. Der CSU-“Sicherheitsexperte” Hans-Peter Uhl fordert dazu gleich auch noch ein Sondergesetz im Strafrecht, dass es erlaubt Menschen zu bestrafen, die beabsichtigen “das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören”; und sei es duch ihre bloße Existenz.
Das BKA und die Hacker
Ursprung
Vor ein paar Tagen wurde ich auf eine kleine Anfrage des Linken Bundestagsabgeordneten Hubertus Zdabel aufmerksam gemacht. Zdabel hatte sich nach dem Stand eines vom Bundeskriminalamt initiierten Forschungsprojekts zum Thema Hacktivismus erkundigt. Das BKA will dabei offenbar überhaupt erstmal herausfinden was es mit dem Begriff überhaupt auf sich hat, und welche Wege es hat, gegen dieses Phänomen vorzugehen.
Leider liegen die Ergebnisse der Studie noch nicht vor; obwohl laut der Anfrage das Projekt seit dem 2. Januar 2013, also seit fast zwei Jahren, seine Arbeit aufgenommen hat, rechnet man wohl nicht vor Ende 2015 mit Ergebnissen.
Ich weiß wo Du letzen Sommer gewesen bist
Noch kurz vor der Bundestagswahl hat unsere Kanzlerin die Einführung eine PKW-Maut kategorisch abgelehnt. Das war so ziemlich die einzige konkrete Aussage, zu der sich Frau Merkel während des Wahlkampfes hat hinreißen lassen. Wie sich herausstellt, war das gelogen.
Erinnern wir uns: Die CSU hatte die Einführung einer PKW-Maut zur Bedingung für einen Koalitionsvertrag gemacht. Im wesentlichen war dies ein wahltaktisches Manöver, denn zeitgleich zum Bundestagswahlkampf standen auch Landtagswahlen in Bayern an, und zum bayrischen Wahlkampf gehört seit jeher, das Herausstellen der eigenen Wichtigkeit, zum anderen hilft dem Wahlkämpfer stets der Appell an niedere Instinkte beim Wähler. Das ist in Bayern nicht anders als anderswo.
Das Ende von allem, oder so
Über die diesjährige Preisverleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels an Jaron Lanier ist ja schon viel geschrieben worden. Auch über die etwas merkwürdige Laudatio von Martin Schulz.
Am Sonntag hat dann der Redakteur Michael Hanfeld einen Kommentar zu Lanier’s Würdigung verfasst, der irgendwo zwischen “die sind alle so gemein” und “früher war aber mehr Lametta” pendelt, und schon ob seines salbungsvollen Predigttons schwer zu verdauen ist.
Muriel hat einen sehr treffenden Blogbeitrag dazu veröffentlicht, den zu lesen ich euch sehr ans Herz lege.
Der Erste Weltkrieg findet nicht statt -jedenfalls nicht im Fernsehen
Heute vor genau 100 Jahren begann, mit dem Einmarsch der deutschen Truppen in Belgien, der erste Weltkrieg. Einen Tag nachdem die deutsche Reichsregierung Frankreich den Krieg erklärt hatte.
Zur Erinnerung an den Kriegsausbruch, und im Gedenken an die gefallenen Soldaten, finden überall in Europa Gedenkfeiern statt, so auch auf dem Militärfriedhof in Saint-Symphorien in Belgien. Auf dem Friedhof sind britische und deutsche Soldaten begraben.
Das Besondere an diesem Ereignis ist, dass neben Staatsoberhäuptern aller beteiligten Nationen, darunter unser Präsident, auch die Nachfahren der Soldaten da sind.